Meine Kindle-Story
Das Problem: Es muss doch möglich sein, sich an gedruckter Literatur zu erfreuen und auch eBooks abseits des Monitors bzw. Notebooks lesen zu können, ohne das Bücherregal sich biegen oder den Drucker rauchen zu lassen.
Der Lösungsversuch: ein eBook-Lesegerät muss her.
Das Fazit: Es ist nicht möglich, sich an gedruckter Literatur zu erfreuen und auch eBooks abseits des Monitors bzw. Notebooks lesen zu können, ohne das Bücherregal sich biegen oder den Drucker rauchen zu lassen.
Virtueller Schaufensterbummel
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Amazons virtuelle Shopping-Meile hat nun den Beta-Status: Mit seinem Window-Shop (nein, hat nichts mit Microsoft zu tun) bietet der Rundum-Versender seinen Kunden ein Einkaufserlebnis der etwas anderen Art. Anstatt ganz klassisch nach Produkten zu suchen oder sich durch Kategorien zu klicken, können sich Benutzer hier mit den Maustasten kreuz und quer durch Screenshots aktueller Produkte bewegen. Handelt es sich dabei um einen Film, ein Hörbuch oder eine CD, wird dazu noch eine Vorschau abgespielt.
In vino amazonas
Laut eines Berichts der Financial Times beginnt Amazon in den USA damit, auch Wein über seine Website zu verkaufen. Dieser neue Geschäftszweig, mit dem der weltgrößte Versandhändler im Jahr 1999 schon einmal böse auf die Nase gefallen war (30 Mio. US-$ für knapp die Hälfte an wineshopper.com hatte Amazon damals verbrannt) soll nun parallel zum Lebensmittelangebot zuerst in Seattle etabliert werden. Der derzeitige Marktführer in dem Bereich, wine.com, hat noch mit Regelungen zu kämpfen, die ihren Ursprung in der Prohibition der 30er-Jahre haben. So dürfe der Anbieter laut Bericht nur in 26 US-Staaten liefern und müsse seine Ware von staatlich lizensierten Großhändlern kaufen. Es wird daher interessant zu sehen, ob Amazon knapp 10 Jahre später mit seinem zweiten Versuch erfolgreich sein wird.
Via Mashable, Bild: pixelio (Henrik G. Vogel)
Amazons Infrastruktur nutzen
Was als virtueller Bücherladen begann, sich zu einem Warenhandel mit den verschiedensten Produktkategorien mauserte und mittlerweile auch nicht mehr vor der Lieferung von Lebensmitteln zurückschreckt, wird in zunehmender Weise auch als Service-Dienstleister interessant: die Rede ist natürlich vom Online-Dinosaurier Amazon, der im Gegensatz zum anderen Dinosaurier-Kollegen eBay tatsächlich im 21. Jahrhundert angekommen zu sein scheint. Hier mal eine kleine Auflistung dessen, was man bei Amazon anstelle von Büchern, Babyklamotten und Basmatireis sonst noch erwerben kann – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.
Simple Storage Service (S3):
Amazons Speicherservice ist jüngst in die Schlagzeilen geraten, weil aufgrund eines 2-stündigen Serverausfalls anscheinend zahlreiche Kunden ihren Daten verloren haben. Die Idee hinter S3 ist aber durchaus interessant, sodass laut Golem bis Ende 2007 mehr als 300.000 Anwender registriert waren. Vereinfacht gesagt kann man Speicherplatz bei Amazon mieten und bezahlt dann den durch Downloads verursachten Traffic (hier kann man die aktuellen Bedingungen nachlesen). Somit lassen sich mit wenig Aufwand skalierbare Downloadbereiche einrichten, anstatt Hostinglösungen zu nutzen, die auch bei Gering- und Nichtauslastung Kosten produzieren. Ein aktuelles Beispiel sind hier die Screencasts von Magento Commerce: diese sind auf Amazons S3-Server aufgelagert, sodass Varien dafür keinen eigenen Serverpark unterhalten muss.
Amazon Elastic Compute Cloud (EC2):
Ähnlich wie der obene beschriebene Speicherservice S3 bietet Amazon eine weitere hardware-as-a-service-Dienstleistung. Mit der Amazon Elastic Compute Cloud hat man die Möglichkeit, virtuelle Server auf Amazons Hardware zu betreiben. Dies bedeutet, dass man nicht nur Dateien speichern und abrufen kann, sondern man verfügt über ein virtuelles Betriebssystem, das genau so konfiguriert werden kann wie der eigene Server beim Leib-und-Magen-Hoster. Auch dieser Service kommt ohne laufende Kosten aus, man bezahlt lediglich pro genutzter Stunde der jeweiligen virtuellen Maschine (Instanz).
Amazon Mechanical Turk
Der Namensgeber dieser politisch unkorrekt klingenden Bezeichnung ist die Attrappe eines Schachcomputers, die Ende des 18. Jahrhunderts gebaut wurde. Es handelte sich um einen menschlichen Torso der auf einem Kasten montiert war und scheinbar von einem komplizierten Uhrwerk angetriebenen wurde. In Wahrheit saß seinerzeit geschickt verborgen ein menschlicher Schachspieler unter dem Brett und bewegte die magnetischen Spielfiguren von unten.
Da sich Amazons Service die Leistung von Menschen zunutze macht, ist die Namensgebung wirklich passend. Wie Amazon auf der Beschreibungsseite schreibt, gibt es viele Dinge im Internet, die von Computern nur schwer oder gar nicht geleistet werden können, für Menschen jedoch ein Kinderspiel darstellen. In Sekundenschnelle kann ein User beispielsweise feststellen, ob ein bestimmter Gegenstand auf einem Foto zu sehen sind, selbst für die komplexesten Algorithmen ist dies jedoch nur sehr schwer zu lösen. Amazon bietet nun quasi einen Marktplatz für allerlei Arbeiten an, die interessierte User mit ein paar Mausklicks erledigen können und dafür entsprechend bezahlt werden.
Darüber hinaus bietet Amazon noch diverse Dienstleistungen rund um das Thema ECommerce an. So kann man beispielsweise auf Amazons Produktdatenbank zugreifen und sich die bestehende Warenkorbfunktionalität zunutze machen. Gerade erst für Deutschland vorgestellt wurde das Programm “Fulfillment by Amazon“, bei dem Amazon neben dem Verkauf sogar die Logistik übernimmt – dazu aber bald mehr.
Amazon’s Kindle ausverkauft
Gut einen Monat nach Einführung von Amazon’s neuem eBook-Reader Kindle ist dieser laut Amazon bereits ausverkauft und wird auf eBay für bis zu $1500 verkauft (erstaunlich wenn man bedenkt, dass das Gerät ursprünglich für $400 über den virtuellen Ladentisch ging und zuletzt von Kritikern nicht gerade mit Lob überhäuft wurde). Mehr dazu bei Techcrunch.
Amazon’s Zündelei
Es rauscht mal wieder im elektronischen Blätterwald: Seit der Präsentation des neuen eBook-Readers Kindle von Amazon überschlägt sich besonders die amerikanische Bloggeria im Hinblick auf die Frage, ob das neue Gerät für das Bücherlesen das Gleiche bedeutet wie das iPhone für das Telefonieren. Dass Newsweek diese neue Technologie als Coverstory publiziert ist dann noch das publizistische Sahnehäubchen.
Letztere beginnt mit einer überzeugenden Liebeserklärung an das gedruckte Buch:
It is a more reliable storage device than a hard disk drive, and it sports a killer user interface. (No instruction manual or “For Dummies” guide needed.) And, it is instant-on and requires no batteries. Many people think it is so perfect an invention that it can’t be improved upon, and react with indignation at any implication to the contrary.
Dem ist nicht zu widersprechen und es lässt sich leicht ausrechnen, welche Herausforderung es bedeutet, die mehr als 500 Jahre alte Gutenberg-Technologie – also den guten alten Buchdruck – herauszufordern. Abgesehen von der leichten Lesbarkeit des gedruckten Buches: Würde man sich einen teuren Lese-PC in die Badewanne oder an den Strand mitnehmen?
Die Idee, eine Art Mini-PC zu entwicklen, der mehr oder weniger ausschließlich zum Lesen elektronischer Texte bestimmt ist, ist sicherlich nicht neu. Leider haperte es bei vielen Lesegeräten an der Benutzerfreundlichkeit und vor allem an der Lesbarkeit. Erst die Entwicklung der so genannten elektronischen Tinte (eInk) vor knapp zwei Jahren leitete in dieser Hinsicht ein neues Kapitel ein. Sony verbaute diese Techologie 2006 als erstes in seinem PRS-500 – hier findet man einen Test des Geräts, Engadget hat weitere Screenshots. Mittlerweile ist das Nachfolgemodell PRS 505 erhältlich und kostet bei Sony knapp $300. Es lässt sich über Sonys eigenen eBook-Shop mit Lesefutter versorgen. Hierzu lädt man sich die Sony-Software Connect Reader auf seinen PC, kauft damit ein und transferiert die Daten anschließend auf sein Lesegerät.
Was ist also so revolutionär neu an Amazon’s Kindle? Ein wichtiger Punkt ist Amazons starke Marktposition im Bücherhandel. Kein anderes Unternehmen hat in dieser Sparte ein vergleichbares Produktangebot und eine solche Reichweite wie die Firma von Jeff Bezos, und so ist es nicht verwunderlich, wenn sich Kunden zum Kindle-Start bereits mehr als 90.000 digitale Bücher im eigens eingerichteten Kindle-Store mittels WLAN-Verbindung herunterladen können. Die Kosten dafür werden mit $9,99 für aktuelle Bestseller angegeben. Neben Büchern lassen sich auch Zeitungen wie die New York Times oder die Le Monde und ausgesuchte amerikanische Blogs wie TechCrunch, Scobleizer und Boing Boing abonnieren. Hier liegt auch gleichzeitig der zweite wichtige Punkt: Für den Reader benötigt man keinen Computer, über den man sich mit neuen Lesestoff versorgen kann. Stattdessen ist der Kindle – ähnlich wie die Push-Technolgie eines Blackberry – über eine kostenlose Dauerverbindung (EDVO wireless network) mit Amazon verbunden.
Kritiker bemängeln zum einen das Aussehen des Kindle: Robert Basic beispielsweise sieht das Gerät als „eine Art Kreuzung aus Commodore und einem frühen Apple-Rechner“. Seitdem Steve Jobs gezeigt hat, wie gut MP3-Spieler und Handys aussehen können, kann ich ihm da nur zustimmen. Auch der Preis von $399 scheint einigen viel zu überzogen zu sein. Auf der anderen Seite gibt es auch schon die ersten prominenten Fans: Bei Guy Kawasaki beispielsweise kann man ein sehr positives Feedback lesen.
Bezüglich des Aussehens und des Preises teile ich die Ansicht der Kritiker. Besonders die Tatsache, dass man mit $399 im wesentlichen eine Datentransfer-Flatrate subventioniert, die man möglicherweise eine zeitlang gar nicht in Anspruch nimmt, finde ich am geplanten Preismodell störend. Und auch wenn man Bestseller dann zum reduzierten Preis von € 9,99 in seinen Kindle lädt, lassen sich diese auch nicht ohne weiteres mit Freunden tauschen – DRM sei dank. Eher vorstellen könnte ich mir den Einsatz des Kindle im studentischen/akademischen Bereich. Anstatt vorsintflutlich Kursmaterialien zusammenzukopieren, ließen sich einzelne Kapitel oder wissenschaftliche Artikel viel eleganter elektronisch für den Kindle aufbereiten.
Update: Robert Scoble’s Video über erste Leseerfahrungen
Amazons Versandflatrate
In typischer Manier hat Amazon gestern einen neuen Service vorgestellt: Mit einem persönlichen Brief auf der Startseite wirbt Gründer und Geschäftsführer Jeff Bezos für den neuen Service Amazon Prime. Einmal angemeldet kann man für eine Jahrespauschale von 29,- EUR entsprechend ausgezeichnetet Produkte versandkostenfrei bestellen. Dies wird vor allem denjenigen zugute kommen, die spontan Bücher und DVDs bestellen möchten und dabei unter der Schwelle von 20,- EUR bleiben, ab der Amazon klassischerweise keine Versandkosten mehr berechnet.
Via Golem, Handelskraft, e-commerce-blog
Amazon 5mal anders
Auf Read/WriteWeb stellt der Autor fünf alternative Möglichkeiten vor, nach Produkten auf Amazon zu suchen. Es handelt sich hierbei ausschließlich um Flash-basierte englischsprachige Websites die zeigen, was man dank einer gut dokumentierten und einfach zu bedienenden API so alles mit Amazons Produktdatenbank anstellen kann.
eCommerce-Dinosaurier in 2007
Lese gerade auf Handelskraft einen interessanten Artikel, der den status quo der großen alten Damen eBay und Amazon beleuchtet. Hier geht es vor allem um die Frage, wie eBay versucht, mit neuen Konzepten wieder das Interesse der Besucher zu wecken.
eBay kündigt beispielsweise in naher Zukunft ein Window-Shopping und 1-Click-Bidding-Feature an. Zudem sollen noch Änderungen an Mein eBay vorgenommen werden. Ob durch diese Aktionen die Attraktivität von eBay wieder besser wird, mag ich zu bezweifeln. Das nimmt die ganze Spannung raus, wenn man schon vorher alle Neuigkeiten erfährt. Community- und vor allem Longtailansätze wären meines Erachtens die wichtigsten Elemente, die eBay wieder fit machen könnten.


