Twitter: Ein paar Gedanken am Morgen
Anlässlich eines lesenswerten Beitrags auf dem Shopbetreiber-Blog (Twitter-Tipps für Shopbetreiber), in dem der Autor auf die kommerzielle Nutzung des rasant wachsenden Microblogging-Dienst angeht, und der Tatsache, dass ich selbst mit meinem Freund und Kollegen Christoph Zillgens gerade das Mash-Up twittagessen.de gestartet habe, möchte ich an diesem Morgen ein wenig über Twitter grübeln.
Besonders wer in der Medienbranche arbeitet, so scheint es, kommt schlecht um Twitter herum. Auch strikteste Verweigerer sind – aufgrund des permanenten Drängen der Kollegen – früher oder später mit einem Konto dabei und lesen hier und da einen Tweet. Dabei geht es inhaltlich oft um die eigene “Szene” und alles das, was der (Büro)alltag in diesem Bereich so mit sich bringt. Die erste deutsche Twitterumfrage bestätigt: Die Hälfte aller Befragten stammt aus dem Bereich Medien & Information und Marketing & Werbung, der Durchschnittstwitterer ist ca. 32 Jahre alt und hat zu 78% einen höheren Bildungsabschluss. Männer nutzen laut Auswertung der Umfrage den Dienst vor allem, um neue Informationen zu veröffentlichen, Frauen eher, um Kontakt mit anderen zu halten.
So weit die relativen Zahlen – wie sieht es nun mit der absoluten Nutzung aus? Eindeutige Angaben gibt es hierzu nicht, Ulrike Langer greift in Ihrem Blog jedoch einige Zahlen auf, die zurzeit im Gespräch sind. Laut Ihres Beitrags reichen die Angaben von 10.000 bis 100.000 deutschsprachigen Twitterern, wobei eine Zahl um ca. 30.000 der Wahrheit am nächsten zu kommen scheint. Welche Zahl davon stimmt, ist gar nicht so entscheidend, viel wichtiger ist es meiner Meinung nach zu attestieren, dass es sich hier im Vergleich zur allgemeinen Internetnutzung um eine verschwindent kleine Menge handelt. (Zum Vergleich: wenn man von der letztgenannten Zahl ausgeht, gab es 2008 mehr Schrebergärten in Leipzig als deutschsprachige Twitterer.) Die Chance, das man die Freundschaft mit einem weniger netzaffinen Mitmenschen arg strapaziert, wenn man eine ernsthafte Antwort auf die Frage “Willst du mich mal bei Twitter followen?” erwartet, ist demgegenüber ungleich höher.
Ist Twitter trotzdem relevant? Auf jeden Fall! Um wirklich am Puls der Szene zu bleiben und “brühwarm” Informationen zu erhalten, ist der eigene Twitterstream eine wichtige Informationsquelle. Viele Blogger gehen mittlerweile dazu über, interessante Links nicht mehr über ihre Blogs zu verbreiten, sondern diese einfach zu twittern – 140 Zeichen reichen dazu allemal aus. Wie in der neuesten Folge von Sixtus vs. Lobo erwähnt, sind die einzelnen Tweets dabei als Headlines zu verstehen, die auf die eigentlichen Inhalte verlinken. Und dazwischen ergebe sich der so wichtige “soziale Kitt”.
A propos “sozialer Kitt”: Hat man sich einmal auf ein Hashtag für ein bestimmtes Thema geeinigt (was in der Regel sehr schnell geht) und kann auf diese Weise über die Twitter-Suche mitverfolgen, was andere zu diesem Thema schreiben, ist eine Kommunikation schnell hergestellt. So erhält ein unidirektionales Medium wie das Fernsehen den lange überfälligen Rückkanal. Wer beim Eurovision Song Contest nach #esc gesucht und sich am Gefundenen erfreut hat, weiß wovon ich rede. Auch der sonntägliche Tatort erhält auf diese Weise eine ganz neue Dimension.
Da es zu diesem Thema noch so viel zu sagen gibt, erspare ich mir vorerst ein Fazit zu diesem Thema. Ich muss sowieso jetzt noch ein paar frische Tweets überfliegen …


