Paypal-Zwang

20.06.2008 by Roman Zenner
Abgelegt unter: Allgemein, eBay 

Das Auktionshaus eBay bekommt viel Schelte in den letzten Tagen. Spätestens die Tatsache, dass eBay seinen Bezahldienst PayPal immer weiter in den Vordergrund drängt und es nach einem Bericht bei Shopanbieter.de in Australien beispielsweise für Händler neben Barzahlung außer PayPal keine weitere Bezahlmethode geben soll, bringt die Betroffenen auf die Barrikaden. Schon vor einigen Wochen kam es zu Streiks im Zusammenhang mit dem neuen Gebühren- und Bewertungssystem des Auktionshauses. Für viele Powerseller weltweit ist eBay mittlerweile zu einer unverzichtbaren Handelsplattform geworden, zu der es für sie keine Alternative gibt. Die eBay-Gebühren bewegen sich zwar schon für viele an der Schmerzgrenze, dafür besuchen jedoch auch Millionen potentieller Kunden die Plattform täglich; zusätzliche Onlinewerbung erübrigt sich damit.

Ein Anbieter wie eBay, der sich in den letzten Jahren eine derartige Monopolstellung erarbeitet hat, gerät natürlich in das Visier von Wettbewerbshütern. Man erinnere sich beispielsweise an die Prozesse gegen Microsoft wegen der Vermarktung ihres Betriebssystems. In den Jahren 2004 und 2006 wurde die Softwareschmiede aus Redmond von der Europäischen Kommission zu saftigen Strafen verurteilt, weil Microsoft seine Marktmacht ausnutze und Drittanbietern keine Möglichkeit biete, ihre Software an Windows anzubinden. Die spannende Frage ist also im Fall eBay: Soll man mit wettbewerbspolitischen Mitteln versuchen, eBay zu Konditionen zu zwingen, die den Händlern besser schmecken, oder sollten sich diese einfach andere Alternativen suchen, frei nach dem Motto: Mit mir nicht!

Kurzfristig gibt es wenige Alternativen, die Händlern ähnlich hohen wirtschaftlichen Erfolg sichern. Trotzdem ist es sinnvoll, nach anderen Vertriebskanälen Ausschau zu halten, um sich wirtschaftlich nicht zu sehr an einen Anbieter zu binden. Amazon hat beispielsweise in den letzten Monaten konsequent daran gearbeitet, Händlern seine Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Auf dem Amazon Marketplace können Händler neue und gebrauchte Produkte zum Festpreis verkaufen, das Billing erfolgt hierbei über Amazon selbst. Weitaus kleiner, jedoch sicherlich einen Blick wert sind die Portale Yatego und Tradoria, auf denen Händler ebenfalls ihre Produkte einem stetig wachsenden Publikum vorstellen können. “Echte” Online-Auktionshäuser wie hood.de haben zwar ebenfalls nicht die Verbreitung wie eBay, aber auch hier steigt die Zahl der Auktionen und Besucher ständig.

eBay-Händler haben es in der Hand: Sie können weitermachen wie bisher, d.h. sich beklagen, die eBay-Politik tragen und darauf hoffen, dass das Auktionshaus aufgrund von kartellrechtlichen Vorgaben seinen Kurs korrigieren muss, oder sich nach Alternativen umsehen.

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