Welche Zielgruppe hat Magento?

09.04.2008 by Roman Zenner
Abgelegt unter: Allgemein 

Wenn man sich die aktuelle Diskussion um die Performance-Problematik einmal anschaut und mitliest, welche Lösungen bisher von Varien angeboten werden, stellt sich mir die Frage, ob der Otto-Normal-Onlinehändler bei der Konzeptionierung des Systems jemals im Zentrum des Interesses gestanden hat. Die Entwicklung von Magento hat eine Menge Geld gekostet, einen Stamm von Programmierern kann man über einen längeren Zeitraum sicher nicht nur mit dem Pizzaservice motivieren. Ich kann mir daher nur schwer vorstellen, dass man das Performance-Problem die ganze Zeit einfach nicht bemerkt hat. Auf die Geschwindigkeits-Thematik hat Varien jedoch von Anfang meistens nur mit dem Hinweis reagiert, man möge doch den Cache aktivieren und entsprechend den Empfehlungen die Serverkonfiguration ändern. Doch ein Cache will nun mal erst gefüllt werden und nicht jeder hat die Möglichkeit oder die Kenntnisse, einen (oder sogar mehrere) Server entsprechend zu konfigurieren (mal abgesehen davon, dass keine der vorgeschlagenen Wege bisher zu einem “Heureka”-Effekt geführt und das Problem vollends gelöst hat).

Nun werden einige vielleicht einwenden, wer auf seinem Server nicht die neueste Version von PHP installieren und die MySQL-Konfiguration ändern kann, meint es mit seinem Magento-Onlineshop vielleicht nicht so ernst. Und auch Roy Rubin vermerkt in einem Thread zur Performance-Problematik (wenngleich auch seltsam schwurbelig): “In optimal environments, we are extremely pleased with the results and the product is more than ready for prime time.” Dann muss man aber auch ganz klar sagen: So lange man kein entsprechendes Hosting-Budget und einen findigen Server-Administrator hat, ist Magento eben langsam. Punkt. osCommerce konnte und kann man, bildlich gesprochen, auf jedem Schuhkarton installieren und bekommt einen flotten Shop, dem auch ein größerer Produktkatalog nichts anhaben kann – Magento spielt da in einer ganz anderen Liga.

Auch andere Faktoren lassen den Schluss zu, dass Varien mit seinem Produkt nicht Lieschen Müller ansprechen möchte, die nach einer 1-Klick-Installation von osCommerce bei ihrem Massen-Hoster anfängt, selbstgestrickte Socken zu verkaufen. Magento ist beispielsweise so konzipiert, dass hierarchisch aufgebaute Multishoplösungen aufgebaut werden können, um beispielsweise Produkte auf den verschiedensten Märkten platzieren zu können. Damit spricht es vor allem etablierte Onlineshops größerer Unternehmen an, die möglicherweise multinational operieren.

Dies und die Tatsache, dass Varien bereits eine ausgefeilte kostenpflichtige Supportstruktur aufgebaut hat zeigt meiner Meinung nach, dass Magento in erster Linie ein Konkurrenzprodukt für kommerzielle Software-Lösungen im eCommerce-Bereich ist und nur sehr eingeschränkt als Alternative für osCommerce und seinen Forks taugt.

Kommentare

7 Kommentare zu Welche Zielgruppe hat Magento?

  1. shopanbieter.de am 09.04.2008 um 8:20

    Ein Kommentar zu unserem magento-Artikel scheint Deine Vermutung zu bestätigen.

    Ich zitiere einfach mal: “…Nun haben sich Roy Rubin und Yoav vom Magento-Team sich dazu geäußert. Eine Aussage ist u.a., dass Magento nun mal eine Enterprise-Software ist und daher ein low-level-shared-Server dafür in der Regel nicht ausreicht. Und meine Befürchtung, dass “normale” Programmierer mit der Objekt-Orientierten Programmierung überfordert sind, wurden von den Beiden auch bestätigt….”

  2. Tabsl am 09.04.2008 um 8:47

    Es bleibt abzuwarten, wie sich das ganze in den kommenden Wochen entwickelt. Auch wenn man servertechnisch komplett frei walten kann, will man das nur für diesen Shop?!

    Mir stellt sich die Frage, ob sich im Nachhinein betrachtet – und das was vielleicht noch kommt – es richtig war den Shop als OpenSource zu releasen …

  3. SandraT am 09.04.2008 um 10:20

    Und mal ehrlich gesagt: Wer mittlerweile magentocommerce.com aufruft: Wer denkt da außer dem Marketing-Spruch noch an Open Source? Hier steht eigentlich nur noch das Unternehmen im Vordergrund und selbst die Mitglieder der Community werden jetzt schon in “Normalos” und zahlende “Pros” eingeteilt.

  4. M.S. am 14.04.2008 um 14:59

    Bei allen Shoplösungen auf dem Markt sollte man zwei Dinge immer in Betracht ziehen.
    1) Den Shopbetreiber mit seinen Fähigkeiten (mehr Internetfreak oder mehr Kaufmann) Open Source Lösungen sind für die erste Zielgruppe geeignet, wobei Magento sicherlich in der Champions League spielt.

    2) Aus Open Source entwickeln sich erfahrungsgemäß immer Ableger, die früher oder später etwas kosten. Für Kaufleute, die nicht tagtäglich mit technischer Herausforderungen kämpfen möchten, empfiehlt sich m. E. daher meistens eine Miet- oder Kaufsoftware.
    Der Kaufmann sollte sich primär darum kümmern, die richtigen Produkte anzubieten (Marketing)und dafür sorgen, dass sein Shop gefunden wird (SEO, SEM) Wenn diese beiden Dinge funktionieren, spielt es keine entscheidende Rolle, welche Shopsoftware eingesetzt wird, solange die Usability eines Shops beachtet wird.
    Wer nicht gefunden wird oder die falschen Produkte anbietet, kann sich um die Shoptechnik kümmern bis der Gerichtvollzieher klingelt ;-)

  5. Magento: schleichende Revolution? - Handelzweinull am 13.05.2008 um 14:02

    [...] shopanbieter.de Magento Performance, techdivision.com Welche Zielgruppe hat Magento, cooee.de Magento 1.0 – Performance = 0?, ecombase.de Magentos Performance gerät in die Kritik, [...]

  6. noname am 13.05.2008 um 16:54

    Nun noch ist magento ein open-source-system… ich hab es schon öfters erlebt das ein fork schneller auf dem markt war als gewünscht. wenn varien nichts macht, macht es die community. vielleicht nicht heute… aber in einigen monaten bestimmt. oder sie werden ein anderes system suchen… freeway oder der FWP Shop sind definitv alternativen zu oscommerce.

  7. shopTags » 30 kostenfreie Open Source Shopsysteme am 29.04.2009 um 7:21

    [...] Artikel/Diskussion zu “Welche Zielgruppe hat Magento?” [...]