Mein Linux: Ein Nachruf

25.11.2007 von Roman Zenner
Abgelegt unter: In eigener Sache 

Unsere Beziehung hatte wahrlich Höhen und Tiefen: Anfangs war ich begeistert davon, dass du völlig kostenlos Einzug auf meiner Festplatte gehalten hast. Als die moderne Suse begegnetest du mir am Zeitungskiosk. Eine ganze Welt voller Software mitsamt informativer Computerzeitschrift für den Preis einer gut belegten Pizza – lange überzeugen musstest du mich wahrlich nicht. So gingen viele friedliche Monate ins Land, leider kamst du langsam in die Jahre und ich konnte dich nicht einfach erneuern.

 

Ich entschied mich dann für deinen robusten, weniger schicken Bruder Debian, der sich per einfachem Befehl so simpel aktualisierte. Auch so lebten wir einige gemeinsame friedliche und auch produktive Monate zusammen. Doch leider wurde unsere Beziehung zusehends kälter und liebloser. Ich hatte nie das Gefühl, dich ganz zu verstehen. Wenn es dir mal schlecht ging, wusste ich nie, wie ich zu deiner Genesung hätte beitragen können. Das war auch deshalb so schlimm, weil sich in letzter Zeit deine Wehwehchen bei so simplen Dingen häuften: Erst wolltest du keine CDs mehr brennen, dann drucktest du nur noch im Querformat. Auch mein Windows-Laptop hast du nie gemocht – verzeih mir, dass ich anstelle eines dicken Samba-User-Handbuchs doch lieber das neue Buch von Bill Bryson las. Um unsere Beziehung nicht noch weiter auf die Probe zu stellen, vollzog sich der Datenaustausch dann via USB-Stick. Du musst zugeben, dass das im im Jahr 2007 völlig antiquiert war. Aber was tut man nicht aus Liebe sagte ich mir immer wieder. Und dafür, dass ich keine Angst vor Computerviren haben musste. Und dafür, dass ich bei jedem Einschalten ein paar Punkte auf dem User-Gewissenskonto verbuchen konnte: Wieder einmal der kommerziellen Software-Mafia ein Schnippchen geschlagen!

 

Sicher, ich hatte mich so an deine Denkweise gewöhnt: Für das Problem „Gedöns“ gab es ja immer „kgedoens“, wozu man aber dann „gedoens-gtk“ benötigte und noch eine Reihe weiterer Pakete. Mal abgesehen davon, dass alles vorher im Kernel gedoens-mäßig kompiliert sein musste. Ich hatte leider zunehmend das Gefühl, dass du mehr Aufmerksamkeit von mir beanspruchtest als mir lieb sein konnte. So kam es, wie es letztlich kommen musste: Ich habe mich von dir getrennt. Bitte nimm’ es nicht persönlich, aber wir passen einfach nicht zusammen. Verstehe mich bitte, ein Betriebssystem sollte für mein Verständnis ein Arbeitsgerät und kein Selbstzweck sein. Meine Kaffeemilch soll ja auch schmecken ohne dass ich mir über „OpenEuter“ Gedanken machen muss.

 

Neuer Versuch: Muster-Widerrufsbelehrung

21.11.2007 von Roman Zenner
Abgelegt unter: Recht 

Ich hatte immer gedacht, Anwälte könnten nicht sarkastisch und damit unterhaltsam sein. Durch Dr. Bahr wurde ich aber vorhin dankenswerterweise eines Besseren belehrt:


Die Musterwiderrufsbelehrung erweitert sich damit auf in der Praxis handliche und für den Verbraucher leicht verständliche drei bis vier Seiten Text. Hier können nur Praktiker am Werk gewesen sein, denn ein knapp vierseitiger Text, durch den man sich vor jedem Online-Kauf zu scrollen hat, beeinträchtigt nun wirklich nicht das Einkaufsvergnügen. Zu überlegen wäre, ob man hier aus Verbraucherschutz-Gesichtspunkten nicht den Unternehmer verpflichten sollte, gleich die gesammelten deutsche Rechtswerke – insb. BGB, BGB-InfoV, StGB – mit abzudrucken. Oder noch besser: Bei jeder Warenlieferung muss eine Taschenbuchausgabe der Gesetzesexemplare in Papierform beiliegen, damit der Verbraucher auch gleich seine Rechte sofort nachlesen kann.

Amazon’s Zündelei

21.11.2007 von Roman Zenner
Abgelegt unter: Amazon 

bezocover.jpgEs rauscht mal wieder im elektronischen Blätterwald: Seit der Präsentation des neuen eBook-Readers Kindle von Amazon überschlägt sich besonders die amerikanische Bloggeria im Hinblick auf die Frage, ob das neue Gerät für das Bücherlesen das Gleiche bedeutet wie das iPhone für das Telefonieren. Dass Newsweek diese neue Technologie als Coverstory publiziert ist dann noch das publizistische Sahnehäubchen.
Letztere beginnt mit einer überzeugenden Liebeserklärung an das gedruckte Buch:
It is a more reliable storage device than a hard disk drive, and it sports a killer user interface. (No instruction manual or “For Dummies” guide needed.) And, it is instant-on and requires no batteries. Many people think it is so perfect an invention that it can’t be improved upon, and react with indignation at any implication to the contrary.

Dem ist nicht zu widersprechen und es lässt sich leicht ausrechnen, welche Herausforderung es bedeutet, die mehr als 500 Jahre alte Gutenberg-Technologie – also den guten alten Buchdruck – herauszufordern. Abgesehen von der leichten Lesbarkeit des gedruckten Buches: Würde man sich einen teuren Lese-PC in die Badewanne oder an den Strand mitnehmen?

Die Idee, eine Art Mini-PC zu entwicklen, der mehr oder weniger ausschließlich zum Lesen elektronischer Texte bestimmt ist, ist sicherlich nicht neu. Leider haperte es bei vielen Lesegeräten an der Benutzerfreundlichkeit und vor allem an der Lesbarkeit. Erst die Entwicklung der so genannten elektronischen Tinte (eInk) vor knapp zwei Jahren leitete in dieser Hinsicht ein neues Kapitel ein. Sony verbaute diese Techologie 2006 als erstes in seinem PRS-500 – hier findet man einen Test des Geräts, Engadget hat weitere Screenshots. Mittlerweile ist das Nachfolgemodell PRS 505 erhältlich und kostet bei Sony knapp $300. Es lässt sich über Sonys eigenen eBook-Shop mit Lesefutter versorgen. Hierzu lädt man sich die Sony-Software Connect Reader auf seinen PC, kauft damit ein und transferiert die Daten anschließend auf sein Lesegerät.

Was ist also so revolutionär neu an Amazon’s Kindle? Ein wichtiger Punkt ist Amazons starke Marktposition im Bücherhandel. Kein anderes Unternehmen hat in dieser Sparte ein vergleichbares Produktangebot und eine solche Reichweite wie die Firma von Jeff Bezos, und so ist es nicht verwunderlich, wenn sich Kunden zum Kindle-Start bereits mehr als 90.000 digitale Bücher im eigens eingerichteten Kindle-Store mittels WLAN-Verbindung herunterladen können. Die Kosten dafür werden mit $9,99 für aktuelle Bestseller angegeben. Neben Büchern lassen sich auch Zeitungen wie die New York Times oder die Le Monde und ausgesuchte amerikanische Blogs wie TechCrunch, Scobleizer und Boing Boing abonnieren. Hier liegt auch gleichzeitig der zweite wichtige Punkt: Für den Reader benötigt man keinen Computer, über den man sich mit neuen Lesestoff versorgen kann. Stattdessen ist der Kindle – ähnlich wie die Push-Technolgie eines Blackberry – über eine kostenlose Dauerverbindung (EDVO wireless network) mit Amazon verbunden.

Kritiker bemängeln zum einen das Aussehen des Kindle: Robert Basic beispielsweise sieht das Gerät als „eine Art Kreuzung aus Commodore und einem frühen Apple-Rechner“. Seitdem Steve Jobs gezeigt hat, wie gut MP3-Spieler und Handys aussehen können, kann ich ihm da nur zustimmen. Auch der Preis von $399 scheint einigen viel zu überzogen zu sein. Auf der anderen Seite gibt es auch schon die ersten prominenten Fans: Bei Guy Kawasaki beispielsweise kann man ein sehr positives Feedback lesen.

Bezüglich des Aussehens und des Preises teile ich die Ansicht der Kritiker. Besonders die Tatsache, dass man mit $399 im wesentlichen eine Datentransfer-Flatrate subventioniert, die man möglicherweise eine zeitlang gar nicht in Anspruch nimmt, finde ich am geplanten Preismodell störend. Und auch wenn man Bestseller dann zum reduzierten Preis von € 9,99 in seinen Kindle lädt, lassen sich diese auch nicht ohne weiteres mit Freunden tauschen – DRM sei dank. Eher vorstellen könnte ich mir den Einsatz des Kindle im studentischen/akademischen Bereich. Anstatt vorsintflutlich Kursmaterialien zusammenzukopieren, ließen sich einzelne Kapitel oder wissenschaftliche Artikel viel eleganter elektronisch für den Kindle aufbereiten.

Update: Robert Scoble’s Video über erste Leseerfahrungen

Webanalyse-Tools rechtmässig?

13.11.2007 von Roman Zenner
Abgelegt unter: Recht, Web Analytics 

In einem interessanten Beitrag auf Web 2.0 & Recht geht der Autor der Frage nach, ob die Nutzung von Analyse-Tools wie Google Analytics rechtswidrig ist. Im Kern geht es hierbei darum, ob IP-Adressen, die ja von diesen Tools bekanntermaßen mitgespeichert werden, als personenbezogene Daten angesehen werden können oder nicht. Praxishinweise für Webmaster sind laut Autor:

• Prüfen, ob bzw inwieweit eine IP-Speicherung tatsächlich notwendig erscheint
• Wenn IP-Adressen gespeichert werden, Genehmigung des Nutzers – soweit ablauftechnisch möglich – über entsprechende Nutzungsbedingungen einholen
• IP-Adressen löschen, wenn diese nicht mehr benötigt werden
• Rechtsprechung weiter verfolgen

Vergleich kommerzieller Shopsysteme

13.11.2007 von Roman Zenner
Abgelegt unter: Allgemein 

Zwar nicht mehr taufrisch, aber meiner Meinung nach deshalb nicht weniger interessant ist ein Vergleich kommerzieller Shopsysteme wie beispielsweise Omeco Webshop und Oxid Eshop der Internet World Business: Zum Testbericht
In diesem Zusammenhang wäre es sicher einmal interessant zu überprüfen, wie OpenSource-Shopsysteme dazu im Vergleich abschneiden – das werde ich in nächster Zeit einmal angehen (“time permitting”, wie man so schön sagt).

Amazons Versandflatrate

13.11.2007 von Roman Zenner
Abgelegt unter: Amazon 

amazonIn typischer Manier hat Amazon gestern einen neuen Service vorgestellt: Mit einem persönlichen Brief auf der Startseite wirbt Gründer und Geschäftsführer Jeff Bezos für den neuen Service Amazon Prime. Einmal angemeldet kann man für eine Jahrespauschale von 29,- EUR entsprechend ausgezeichnetet Produkte versandkostenfrei bestellen. Dies wird vor allem denjenigen zugute kommen, die spontan Bücher und DVDs bestellen möchten und dabei unter der Schwelle von 20,- EUR bleiben, ab der Amazon klassischerweise keine Versandkosten mehr berechnet.

Via Golem, Handelskraft, e-commerce-blog

Shopwerbung mal anders

12.11.2007 von Roman Zenner
Abgelegt unter: Allgemein 

Man kann bei diesem Beispiel förmlich spüren, wieviel Spass die Kreativlinge hatten: http://producten.hema.nl/

Via paulinepauline

Usability im eCommerce

02.11.2007 von Roman Zenner
Abgelegt unter: Usability 

Einen Onlineshop zu betreiben ergibt nur dann einen Sinn, wenn man damit auch Gewinne einfährt. Diesen eigentlich selbstverständlichen Satz im Hinterkopf versuchen viele Shopbetreiber durch Online- und Offline-Werbekampagnen möglichst viele Besucher in den eigenen virtuellen Kaufladen zu locken. Da wird in Printwerbung investiert, ein erlecklicher Betrag für eine Keyword-optimierte Google AdWords-Kampagne bereitgehalten und auch mal der ein oder andere Serienbrief durch den Drucker geschickt.

Oft wird hierbei leider vergessen, dass für den Erfolg eines Shops nicht allein die Menge der Besucher ausschlaggebend ist. Wie bei vielen anderen Dingen auch sollte für den Shopbetreiber hier das Prinzip Klasse statt Masse gelten: Je öfter aus den bloßen Besuchern auch tatsächlich zahlende Kunden werden, desto besser. Das Schlagwort ist hier die so genannten Konversionsrate, die genau dieses Verhältnis als Prozentsatz ausdrückt. Je höher dieser Prozentsatz ist, desto besser hat letztlich der Shopbetreiber seine Hausaufgaben gemacht. Zu diesen Aufgaben gehört es, die Bedienbarkeit (Usability) der eigenen Website zu optimieren, sodass sich potentielle Kunden bequem und intuitiv durch den Kaufprozess bewegen können, ohne vielleicht an irgendeiner Stelle entnervt aufzugeben, weil der “in den Warenkorb”-Button partout nicht zu finden ist.

Ein interessanter Beitrag auf eCommerceOptimization beschreibt, dass man schon mit einfachen Mitteln die Bedienbarkeit seines Webshops verbessern kann. Dazu gehören beispielsweise der sinnvolle Einsatz von Überschriften und Unterüberschriften, eine gut sichtbar dargestellte Produktsuche und ein sinnvoller Einsatz von Produktgruppierungen und Cross-Selling. Laut Beitrag ist es ebenfalls von Vorteil, dem Kunden diverse Sortiermöglichkeiten für die Produktübersichten an die Hand zu geben und immer darauf zu achten, die wichtigsten Informationen zu einem Produkt wie beispielsweise Preis und Lieferzeit so früh wie möglich im Bestellprozess einzublenden.